Digitalisierung trifft Stahlbau


Handwerklich geprägte Branchen haben ein großes Potenzial

Unter dem Titel „Systematisch innovativ: Wie Sie Ihre Produkte und Prozesse digitalisieren“ widmeten sich der Verein Engineering-High-Tech-Cluster Fulda und die VDI-Bezirksgruppe Fulda bei einer gemeinsamen Veranstaltung dem Thema Digitalisierung – und das mit direktem Praxisbezug.

Mit Barbara Gronauer, Inhaberin der Innovationsberatung StrategieInnovation, und Horst Nähler, Inhaber des Ingenieurbüros Center für Product-Innovation, trafen dabei zwei Experten für systematische Innovationsprozesse auf den Vollblutpraktiker und Erfolgsunternehmer Bernhard Hahner. Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen insbesondere die unterschiedlichen Vorgehensweisen auf dem Weg zum digitalisierten Unternehmen.

Bernhard Juchheim, Vorsitzender des Engineering-High-Tech-Clusters (EHC), freute sich bei seiner Begrüßung nicht nur, dass weit über 30 Gäste der Einladung von VDI und EHC gefolgt waren. Auch dass Bernhard Hahner zu einem Einblick in sein Unternehmen eingeladen hatte, freute ihn ganz persönlich. Juchheim und Hahner verbindet, dass beide mit ihren Unternehmen im Jahr 2015 als Hessenchampions ausgezeichnet wurden: Hahner mit seinem Unternehmen Texmer in der Kategorie „Innovation“, Juchheim mit Jumo in der Kategorie „Weltmarktführer“.

Riesiges Potenzial

Dass das Prädikat „innovativ“ auch für sein Stahlbau-Unternehmen gilt, konnte Gastgeber Bernhard Hahner bei einem Rundgang durch den Betrieb eindrucksvoll unter Beweis stellen. Dabei schilderte der Unternehmer aus erster Hand, welche Digitalisierungsschritte er bereits gegangen ist, welche Ziele er noch erreichen möchte und wo ihm unterschiedliche Hürden die Digitalisierung erschweren. Schnell zeigte sich, dass auch handwerklich-geprägte Branchen wie der Stahlbau ein riesiges Potenzial zur Digitalisierung haben. „Allein in den Bereichen Einkauf, Logistik und Konstruktion können durch volldigitale Prozesse enorme Effizienzsteigerungen erreicht werden“, so Hahner. Schon heute wird in seinem Unternehmen ein Produkt als „fertig“ bezeichnet, wenn die digitale Konstruktion abgeschlossen ist.

Eine kleine Revolution wünscht sich Hahner für den Bereich des Einkaufs: „Warum sollte es nicht möglich sein, dass wir direkt auf das Lager unseres Lieferanten zugreifen und je nach Bedarf entsprechende Bestellungen ganz unkompliziert per Knopfdruck tätigen?“ Um das volle Potenzial der Digitalisierung zu nutzen, dürfe die Vernetzung nicht vorm eigenen Fabriktor Halt machen. Ziel müsse es sein, dass Lieferanten, Produzenten, Kunden und Service über die gesamte Lebensdauer des Produkts vernetzt würden.

Während Hahner auf dem Weg zum digitalen Unternehmen bisher vor allem auf sein eigenes Know-how vertraut, setzen die beiden Innovations-Experten Barbara Gronauer und Horst Nähler, ähnlich wie bei anderen technischen Innovationen, auch bei der Digitalisierung auf ein systematisches, methodengestütztes Vorgehen.

Digitalisierung ist ein Prozess

Sie zeigten, wie mit der Innovationsmethode „Theorie des erfinderischen Problemlösens“ (TRIZ) durch Modellbildungen und den systematischen Einsatz vorhandener Ressourcen die Digitalisierung für Produkte und Prozesse vorangetrieben werden kann. „Mit TRIZ lassen sich vor allem auch im Team Lösungen entwickeln, die dann von allen mitgetragen werden.“ Einig sind sich Gronauer, Nähler und Hahner, dass sich die Unternehmen im Rahmen der Digitalisierung auch öffnen müssen.

Unter dem Titel „Produkte und Prozesse digitalisieren – Effizienz steigern“ lädt der Verein Engineering-High-Tech-Cluster Fulda am 20. März zur nächsten Veranstaltung im Themenfeld Digitalisierung/Industrie 4.0 ein. Darüber hinaus organisiert das Cluster am 13. April ein ganztägiges Engineering-Forum „Produktion 4.0“. Weitere Informationen unter www.eh-cluster.de.

Christian Vey, www.eh-cluster.de

Quelle: Wirtschaft Region Fulda / Autor: Christian Vey